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Die Emotionale Umkehr

Wie bereits weiter oben beschrieben, liegt die Ursache des jeweiligen Problems in unseren erlernten Verhaltensweisen und -mustern. Wie ebenfalls beschrieben, bilden sie sich aus unserem Erleben in der Kindheit. Hier werden sie "die Art und Weise, in seinem Leben zu stehen" genannt. Damit gemeint ist die ganz persönliche, spezielle Art und Weise eines Menschen, sein Gang, seine Art zu sprechen, sich anzuziehen, zu essen - all das, woran wir eine Person wiedererkennen. Jeder Mensch hat sich seine eigene "Art und Weise, in seinem Leben zu stehen" angeeignet, und zwar deshalb, weil ihm genau dieses -heutige- Verhalten damals am ehesten die Zuwendung seiner Eltern eingebracht hat.

Das biologische Bedürfnis eines Neugeborenen und eines kleinen Kindes ist die Zuwendung seiner Eltern, besonders die der Mutter, damit es überlebt. Wenn das Kind es schafft, die Zuwendung seiner Mutter zu "erlangen", spürt es ein gewisses Vergnügen in sich, weil es so -und nur durch die Zuwendung seiner Mutter- überlebt. Das jeweilige Verhalten, das ihm Zuwendung (also das Vergnügen, so zu überleben) gebracht hat, wird von ihm automatisch beibehalten.

Künftig wird sich das Kind -und später der Erwachsene- immer auf genau diese Art und Weise verhalten, wenn es Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen möchte. Dieses anfängliche Verhalten wird ständig wiederholt und im Laufe der Zeit zu der ganz eigenen Lebensweise.

Das liegt daran, dass Erlebnisse von einem Menschen in Bildern mit den dazu gehörigen Gefühlen abgespeichert werden. Er merkt er sich automatisch, was er künftig tun muss, um z. B. Zuwendung zu bekommen. Das daran gekoppelte Vergnügen ("Zuwendung", s. o.) ist der Antrieb, dieses Verhalten immer wieder zu wiederholen und unbewusst wirkt immer noch das "Vergnügen zu überleben" von damals. Dieses grundlegende Vergnügen sichert den Antrieb, überhaupt weiterzuleben und will unbedingt immer wieder gefühlt werden. So bildet sich zu jedem entstehenden Verhaltensmuster automatisch immer ein bestimmtes -vollkommen unbewusstes- "Vergnügen".

Nach und nach entsteht ein unveränderliches Verhaltensmuster, das später zwangsläufig auch die Art der Überreaktion in einer Stresssituation "festlegt", in der eine körperliche Krankheit ausgelöst wird. So wird diese Lebensweise dann zum Problem, wenn die aktuellen Lebensbedingungen im Erwachsenenalter nichts mehr mit dem Erleben der Kindheit gemeinsam haben, obwohl das Verhaltensmuster immer noch "wie damals abläuft".

In diesem Moment ist diese "angeeignete Art und Weise, in seinem Leben zu stehen" plötzlich nicht mehr angemessen und bringt große physische oder psychische Probleme mit sich. Jemand will nun etwas an seinem nicht mehr angemessenen Verhalten ändern, weil dieses ihm Probleme bereitet und er negative Konsequenzen spürt (z. B. Krankheit, Probleme im Beruf oder in der Partnerschaft). Und trotz dieser bewussten Unannehmlichkeiten lässt sich dieses Verhalten nicht abstellen, weil es einfach stärker ist als er - es hat sich schlichtweg jahrelang als biologisch wertvoll erwiesen. Für das Gehirn gibt es keine Veranlassung, diesen bewährten Weg zu verlassen.

Im Laufe des therapeutischen Verfahrens wird dem Betroffenen seine Verhaltensweise, also seine persönliche Art und Weise in seinem Leben zu stehen, aufgezeigt und ihm so ermöglicht, seine jeweiligen Vergnügen bewusst spüren zu können. Er lernt zu verstehen, dass sein Verhalten -und das damit verbundene Vergnügen- eine notwendige Konstruktion für sein Leben war und wird seinen inneren Bildern künftig andere, nicht mehr krank machende Gefühle und Emotionen mit neuen Vergnügen zuordnen können.

Zur Verdeutlichung ein kurzes bio-logisches Beispiel:

Ein wildes Tier findet einen langen und beschwerlichen Weg zu einer Wasserstelle. Es wird sich diesen Weg genau einprägen und sieht keinen Grund, von diesem (beschwerlichen) Weg abzuweichen, da es weiß, dass es nicht verdurstet (= nur überlebt), wenn es diesen Weg zur Wasserstelle nimmt. Das Erreichen der Wasserstelle bereitet ihm das Vergnügen zu überleben.
Von allein würde dieses Tier niemals von diesem Weg abweichen, da es Gefahr laufen würde, die Wasserstelle nicht mehr zu finden und zu verdursten (= nicht zu überleben). Es ist auch nicht in der Lage, über eine Abkürzung oder weniger beschwerlichen Weg nachzudenken. Flieht es jedoch vor einer Gefahr und findet zufällig einen kürzeren Weg zur Wasserstelle, prägt sich biologisch-sinnvoll dieser neue Weg ein. Von nun an wird es den kürzen und leichteren Weg wählen. Biologisch gesehen funktionieren wir Menschen genauso. Auch unser Gehirn sieht keine Veranlassung, vom bekannten und überlebensfähigen Weg abzuweichen.