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Sucht Hilfe in der Suchthilfe --- neu in Hambergen!

Als betriebliche Suchtkrankenhelferin interessiert, begleitet und beschäftigt mich das Thema Sucht bereits seit einigen Jahren. Im Sommer 2013 habe ich mich entschlossen, mich auch während meiner Freizeit auf diesem Themengebiet weiterzubilden und nehme derzeit an dem halbjährlichen Lehrgang "Ehrenamtliche und betriebliche Suchtkrankenhilfe" des Paritätischen Bildungswerkes Bremen teil, um künftig hier in Hambergen Hilfe in der Suchthilfe bieten zu können.

Die Tätigkeit in der betrieblichen Suchtkrankenhilfe ist geprägt von neutraler Beratung und Vermittlung aller Beteiligten in oft herausfordernden Gesprächssituationen, da ich sowohl den Betroffenen als auch dem Arbeitgeber - je nach Größe auch seinen Gremien - vollkommen wertneutral und hilfestellend in allen aufkommenden Fragen zur Seite stehe. Das bedeutet, dass ich auch im Rahmen von "SaMe4you" jedem Ratsuchenden, egal in welcher Position, parteilos und vollumfänglich in seiner Fragestellung begegne.

Mein Ziel ist es, hier im Laufe des Jahres über das Thema Sucht zu informieren.
Vielleicht gibt es anfangs nur einzelne Absätze zu bestimmten Themen, vielleicht nur wenige interessante Links und vorerst nur unvollständige Auflistungen der unterschiedlichen Hilfsangebote unseres Landkreises und der weiteren Umgebung – jedoch wird die Seite stetig wachsen.

Ich möchte Ihnen einerseits Basisinformationen zur Verfügung stellen und werde Ihnen Verlinkungen zu unterschiedlichen einschlägigen Internetseiten erstellen, die durch verschiedene Institutionen veröffentlicht wurden. Andererseits möchte ich die in unserem Landkreis bereits bestehenden Hilfsmöglichkeiten benennen und auflisten, um Hilfe vor Ort vermitteln zu können.

Meinen Fokus werde ich jedoch nach und nach auf die Sensibilisierung im Umgang mit Alkohol im persönlichen Umfeld richten und Ihnen Antwortmöglichkeiten auf zum Beispiel folgende Fragen bieten:

° Trinke ich wirklich zu viel? 
° Wenn ich es tief in mir eigentlich schon vermute, wie soll ich nur darüber reden und vor allem mit wem?
° Was ist überhaupt „zu viel“ oder „zu häufig“ und was ist eigentlich noch „normal“?
° Ab wann wird Alkoholkonsum zu Alkoholmissbrauch? Ab wann schädige ich meinen Körper dauerhaft?
° Und wie wirkt dauerhafter Konsum tatsächlich in meinem Körper?
° Wo finde ich Unterstützung, ohne, dass es jemand bemerkt?

Außerdem werde ich den Begriff und den Hintergrund der sogenannten Co-Abhängigkeit näher erläutern und die uns im Umgang mit betroffenen Angehörigen, Freunden, Nachbarn und Kollegen begleitenden Unsicherheiten thematisieren, um Ihnen für Ihre Reaktionen den Rücken zu stärken.

° Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich glaube, dass mein/e Partner/in (…) zu oft zuviel trinkt?
° Was ist hilfreich zu tun, was sollte ich aus welchen Gründen besser unterlassen?
° Finde ich auch als Angehöriger Hilfe? Und wo?


Sicherlich werde ich nicht auf jede Frage eine abschließende Antwort oder für jedes Problem eine passende Lösung finden können, würde mich jedoch freuen, wenn eine Vermittlung an den richtigen Ansprechpartner gelingt. 

 

 

Zahlen und Fakten zur Alkoholabhängigkeit

° Alkohol verursacht bei einer großen Zahl von Menschen schwerwiegende gesundheitliche Probleme.

° Mehr als 9,5 Millionen Menschen konsumieren in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanter Form – informiert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) 2009.

° 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig.

° Aktuelle Analysen gehen von jährlich 73.714 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder durch den Konsum von Alkohol und Tabak aus.

° Besorgniserregend ist der gestiegene durchschnittliche wöchentliche Konsum unter den 12- bis 17-Jährigen. Die Menge an Reinalkohol, die sie im Jahr zu sich nehmen, ist in den letzten Jahren um 48 % gestiegen. Die Zahl der Jugendlichen, die wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden müssen, hat sich auf 26.400 erhöht.

° Die direkten Kosten alkoholbezogener Krankheiten werden auf insgesamt 26,7 Milliarden Euro geschätzt.

° Im Jahr 2009 starben 440 Personen (über 10 % aller Verkehrstoten) an den Folgen eines Unfalls wegen Alkohol am Steuer. Über 6.000 Menschen wurden schwer verletzt.

° Suchtprobleme bedeuten individuelle Tragödien für die Betroffenen und deren Familien.

° Schätzungsweise jedes siebte Kind leidet unter der Sucht eines oder sogar beider Elternteile. Das entspricht 2,6 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.

Quelle Blaues Kreuz, Stand 26.01.2014

 

 

Risikoarmer, riskanter, gefährlicher/schädigender und abhängiger Konsum

Der Begriff „riskanter Konsum“ schließt im weitesten Sinne die gefährdenden und schädigenden sowie abhängigen Konsummuster ein.


Als risikoarm gilt nach den Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Alkoholkonsum von 0-30g für Männer und 0-20g für Frauen pro Tag bei mindestens 2 alkoholfreien Tagen pro Woche.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) reduzieren diese Werte weiter auf bis zu 12g für Frauen (ein Standardglas) bis zu 24g Alkohol pro Tag für Männer (zwei Standardgläser), weil auch kleine Konsummengen durch die Beeinflussung des Stoffwechsel-, Kreislauf- und Immunsystems bereits gesundheitliche Risiken bergen. 

Für die betriebliche Suchtprävention ist der riskante Konsum von besonderer Bedeutung mit 30-60g WHO (bzw. 24 – 60g BZgA/DHS) bei Männern und 20-40g WHO (bzw. 12 – 40g BZgA/DHS) bei Frauen. Selbst wenn die Grenzwerte durch den regelmäßigen Konsum kleiner Mengen (z.B. ein Glas Wein am Abend) nicht überschritten werden, kann eine Gesundheitsgefährdung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Atmungs- und Verdauungssystems eintreten. Wird auf Dauer oberhalb dieser Grenzwerte konsumiert sind gesundheitliche Gefährdungen sogar wahrscheinlich.

Nicht nur die Menge, sondern auch das Trinkverhalten kann riskant sein, wenn dieser zur falschen Zeit in einer nicht angemessenen Situation erfolgt (z.B. Straßenverkehr, Arbeit, Schwangerschaft), der Konsum regelmäßig stattfindet und Gewöhnungseffekte eintreten oder gezielte Funktionalisierungen damit verbunden sind, z.B. zur Entspannung vom Arbeitstag. Die Gefahr besteht in der Entwicklung einer Dosis-Abhängigkeit oder einer Alkoholtoleranz, bei der die Alkoholmenge allmählich gesteigert werden muss.

Der gefährliche Konsum liegt jeweils über diesen Grenzwerten. Es ist ein schädigender Gebrauch, wenn trotz auftretender Probleme psychischer, physischer oder sozialer Art (Abmahnung, Kündigung, Trennung) weiter Suchtmittel konsumiert werden.

Für den abhängigen Konsum werden keine Schwellenwerte angesetzt.

 

Quelle: Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS); Ein Leitfaden für die Praxis, 2. aktualisierte und ergänzte Auflage, Januar 2011

 

 

Co-Abhängigkeit

Zur Co-Abhängigkeit habe ich unten auf dieser Seite einen interessanten Artikel von Jens Flassbeck abgedruckt, der im Grunde alles Wissenswerte umfangreich beschreibt. Dort finden Sie auch eine Verlinkung zu einem Selbsttest, den er auf seiner Website veröffentlicht hat. 

 

 

Interessante Links

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen
Unter "Informationsmaterial" finden Sie umfangreiche und fundierte Informationen und Broschüren, die kostenlos heruntergeladen und teilweise als Broschüre bestellt werden können. 

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 
Auch hier finden Sie umfangreiche und fundierte Informationen und Broschüren, die kostenlos heruntergeladen und teilweise als Broschüre bestellt werden können. 

Alkohol? Kenn dein Limit! 
Diese Seite lädt ein, den eigenen Konsum einzuschätzen und bietet u. a. einen Alkohol-Selbsttest, einen Online-Promillerechner, eine Körperlandkarte für die Wirkungen von Alkohol und vieles mehr. Reinschauen lohnt sich. Und auch hier finden Sie wertvolle Broschüren unter "Infomaterial". Diese Broschüren kann ich sehr empfehlen.

Online Selbsthilfe Alkohol
Ein leicht zugängliches Online-Selbsthilfeprogramm für alle, die ihren Alkoholkonsum reduzieren oder völlig beenden möchten. Die Teilnahme erfolgt anonym. 

Netzwerk-Selbsthilfe
Ein Selbsthilfe Wegweiser für Bremen und Nordniedersachsen. Unter "Kategorien" finden Sie mehrere Rubriken zu vielen Themen und die jeweiligen Angebote der Selbsthilfegruppen. 

Suchtberatung, Diakonisches Werk des Ev.-luth. Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck
...zur Beratung, Unterstützung und Vermittlung auf dem für Sie richtigen Weg.

 

Die gängigen Broschüren habe ich in Hambergen vorrätig. Bei Bedarf können Sie sich gern Informationsmaterialen bei mir herausholen. 

 

 

Betriebliche Suchtkrankenhilfe

Ab Sommer 2014 wird hier eine eigene Rubrik für Betriebe unserer Umgebung entstehen.

Für Ihren Betrieb werde ich Ihnen auf Wunsch sinnvolle und für Sie geeignete  Präventionsmaßnahmen vorstellen, um Sie und Ihre Mitarbeiter zum Beispiel durch Vorträge einerseits zu sensibilisieren, andererseits aber auch über die arbeitsrechtlichen Folgen durch substanzbedingt entstandene arbeitsvertragliche Pflichtverletzungen informieren.

Sollten Sie schon jetzt Gesprächs- und/oder Informationsbedarf haben, scheuen Sie sich nicht, mich dennoch bereits anzusprechen und setzen sich gern mit mir in Verbindung.

 

 

Was ist Co-Abhängigkeit?

 

Co-Abhängigkeit ist ein vielschichtiges individuelles, soziales und gesellschaftliches Phänomen. Co-Abhängigkeit und Sucht sind zwei Seiten ein und desselben sozialen Systems. Die Co-Abhängigkeit kann als die andere Seite der Medaille der Sucht angesehen werden. Da, wo jemand süchtig ist, gibt es immer Angehörige, die verstrickt sind in die Sucht der Person. Sucht ist die Voraussetzung für Co-Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit ist die Voraussetzung für Sucht. Beiden Phänomenen liegt dieselbe Dynamik und derselbe Störungsprozess zugrunde.

 

Alle Menschen, die einem Süchtigen nahe stehen und helfen wollen, können sich mehr oder weniger verstricken, z.B. Eltern, Partner, Kinder, Freunde, Kollegen oder professionelle Suchthelfer. Analog der Unterscheidung von Genusskonsum, riskantem, schädlichem und abhängigen Konsum kann man verschiedene Formen und Ebenen der Co-Abhängigkeit unterscheiden:

 

1. typische, aber riskante Erlebens- und Verhaltensweisen auf die Begegnung mit Sucht

2. die problematische Verstrickung

3. das Co-Abhängigkeitssyndrom

 

Überdies kommt Co-Abhängigkeit nicht selten als Doppeldiagnose in Kombination mit anderen psychischen Störungen vor. Ein besonders gravierender Sonderfall der co-abhängigen Störung betrifft Kinder in suchtbelasteten Familien. Schließlich hat Co-Abhängigkeit eine institutionelle oder gesellschaftliche Ebene: ganze Systeme oder Organisationen können mehr oder weniger co-abhängig strukturiert sein, z.B. Familien, Vereine, Betriebe oder Einrichtungen.

 

 

1. Typische Erlebens- und Verhaltensweisen auf die Begegnung mit Sucht

Sucht ist verbunden mit eingeschränkten und stereotypen Verhaltensgewohnheiten. Der Süchtige konsumiert, ist berauscht oder mit der Beschaffung von Rauschmitteln beschäftigt. Das soziale Umfeld wird gewöhnlich im Sinne der süchtigen Ziele und Absichten manipuliert. Auf dieses süchtige Verhaltensmuster reagiert die Umwelt auf typische Art und Weise. Z.B. löst der Konsum und die berauschten Verhaltensweisen Befremden, Peinlichkeit, Scham, Ekel, Ärger und Ohnmacht, aber auch Neugier, Faszination oder den Wunsch, helfen zu wollen, aus. Auf die süchtige Manipulation reagiert man wechselweise mit Hoffnung oder Enttäuschung.

Diese Erlebens- und Verhaltensweisen sind als normal und gesund einzustufen, doch als co-abhängig werden sie bezeichnet, da sie ebenfalls eingeschränkt bzw. unflexibel sind und stets ein Risiko in sich tragen, dass sie zur (stereotypen) Gewohnheit werden und man sich im Kontakt zum Suchtkranken problematisch verstrickt.

 

 

2. Die problematische Verstrickung

Das Zusammenleben mit einem Suchtkranken ist eine nicht alltägliche, irrationale und komplexe Belastung. Der nahe Kontakt zu einem Suchtkranken ist eine tägliche emotionale Achterbahnfahrt und ein immenser Stress. Die Angehörigen oder auch Arbeitskollegen und Suchthelfer sind jeden Tag den Unbilden der Sucht ausgesetzt (z.B. psychische und physische Gewalt), sie müssen die Ausfälle des Suchtkranken kompensieren (z.B. Haushalt, Kinder, Arbeit), sich um den Suchtkranken kümmern und die Folgen der Sucht ausbaden (z.B. Schulden, soziale Isolation).

Die betroffenen Angehörigen sind schnell überfordert und verlieren sich im Stress, den Alltag zu bewältigen und dem Suchtkranken zu helfen, die Sucht zu überwinden. Nicht selten kommt hinzu, dass andere Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn wegschauen und die Suchtproblematik bagatellisieren und verleugnen oder - im anderen Extremfall - dem Suchtkranken die ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung zukommt. Angehörige und Kinder von Suchtkranken bleiben mit ihrer Not und ihrem Stress häufig allein. Dadurch, dass viele Angehörige aus Scham nicht reden oder die Suchterkrankung verheimlichen, verschärfen sie oftmals noch ihre Notlage und erhalten keinerlei Hilfe.

 

 

3. Das Co-Abhängigkeitssyndrom

Wenn die Angehörigen nicht aus ihren Erfahrungen lernen – der Suchtkranke konsumiert trotz aller Bemühungen und Zuwendungen weiter - und Konsequenzen ziehen, wenn sie sich in dem täglichen Auf und Ab des Zusammenlebens mit einem Suchtkranken hilflos verlieren und wenn ihr Erleben und Verhalten selber stark rigide wird, kann sich ein Co-Abhängigkeitssyndrom entwickeln. Das Co-Abhängigkeitssyndrom ist eine verhaltensbezogene Suchtstörung, die durch drei Symptomkomplexe gekennzeichnet ist.

 

 

Abhängigkeitsspezifische Symptome:

Im Zentrum des Syndroms steht das Eingenommensein von dem Süchtigen und dem übermäßigen Wunsch, ihn retten und seine Sucht kontrollieren zu wollen. Alles Denken, Fühlen und Handeln dreht sich zwanghaft um den Suchtkranken. Die Trennung vom Suchtkranken löst Unruhe und Ängste aus. Die eigene Person und die eigenen Ziele, Interessen, Aktivitäten und sozialen Kontakte werden der Sorge um den Suchtkranken untergeordnet, vernachlässigt oder aufgegeben. Die Sucht wird bagatellisiert, gerechtfertigt und entschuldigt. Dies kann im Extremfall auch in eine vollständige, annähernd wahnhafte Verleugnung der Sucht umkippen.

 

 

Schamkomplex und sozioemotionale Störungen:

Als zweites kardinales Symptom leiden Betroffene an massiven Scham- und Schuldgefühlen. Die Sucht des anderen wird als eigenes Versagen angesehen, den Suchtkranken nicht wirklich zu lieben oder ihm nicht ausreichend zu helfen. Man zweifelt ständig an sich und schämt sich persönlich für die peinlichen Begleiterscheinungen der Sucht. Die betroffene Person fühlt sich für alles verantwortlich. Die Ansprüche an die eigene Person sind extrem hoch, die Ansprüche an den Süchtigen extrem niedrig. Diese Schuld- und Verantwortungsproblematik betrifft im Besonderen Eltern suchtkranker Kinder und Kinder suchtkranker Eltern.

 

Co-Abhängige sind stets freundlich und höflich und bemühen sich fortwährend, es anderen recht zu machen. Auch wenn die Befindlichkeit zwischen euphorischer Hoffnung und abgrundtiefer Verzweiflung wechselt, wird nach außen der Schein der „heilen Welt“ oder der „glücklichen Familie“ gewahrt. Die betroffene Person gibt vor, zufrieden und gut gelaunt zu sein. Es mangelt an gesunder Aggressivität und Gefühle des Ärgers und der Unzufriedenheit sind unterdrückt. Das Verhalten ist gegenüber vor allem dem Suchtkranken, aber auch anderen Personen stark inkonsequent. In Zuständen äußerster Verzweiflung ausgestoßene Drohungen, z.B. sich zu trennen, werden nie umgesetzt.

 

 

Zusätzliche Auffälligkeiten:

Betroffene leiden häufig an weiteren depressiven, ängstlichen, psychosomatischen und traumatischen Beschwerden. Erschöpfung, Freudlosigkeit, Nervosität, vielfältige Ängste, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Misstrauen, Gleichgültigkeit oder Schreckhaftigkeit sind typische Auffälligkeiten. Nicht selten tritt die co-abhängige Störung in Kombination mit weiteren psychischen Störungen auf (Komorbidität), z.B. Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen, Traumafolgestörungen oder Persönlichkeitsstörungen, um die wichtigsten aufzuzählen.

 

 

Das Trauma einer Suchtfamilie

Kinder, die in Suchtfamilien aufwachsen, sind täglich einer Reihe von körperlichen, emotionalen, sexuellen, intellektuellen und spirituellen Misshandlungen und Vernachlässigungen ausgesetzt. Auch wenn die Schädigung durch den süchtigen Elternteil gewöhnlich stärker ins Auge fällt, hat das inkonsistente Erziehungsverhalten des co-abhängige Elternteils ebenfalls massive negative Auswirkungen auf das Kind. Das erzieherische Verhalten des co-abhängigen Elternteils ist gewöhnlich durch schuldhafte Verwöhnung und Überversorgung, Vernachlässigung und Alleinlassen, unzureichende Inschutznahme und Inkonsequenz geprägt. In Familie, in denen beiden Eltern süchtig sind, übernehmen andere Familienmitglieder, z.B. Großeltern, ältere Geschwister, oder Freunde die co-abhängige Rolle.

 

Die suchttraumatisierten Kinder sind durch eine besondere Frühreife, Ernsthaftigkeit, Einsamkeit und Sprachlosigkeit gekennzeichnet. Ihr Eingenommensein ist noch viel stärker und tragischer als das der Erwachsenen, da sie die familiären Suchtbedingungen als normal erfahren. Es fehlt den Kindern ein Bewusstsein eines Alltags ohne Sucht. Ihr rührendes Bemühen, ein braves und liebes Kind zu sein, bezieht sich nicht nur auf den Suchtkranken, sondern möchte auch den co-abhängigen Elternteil unterstützen. So übernehmen die Kinder viel zu früh viel zu viel Verantwortung.

 

Suchttraumatisierte Kinder leiden häufig unter weiteren vielfältigen Auffälligkeiten und Beeinträchtigungen: Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörung, Mutismus, Bettnässen, akute Traumatisierung, Störungen des Sozialverhaltens und der Emotionen, soziale Isolation, psychomotorische Auffälligkeiten, kognitive Entwicklungsbeeinträchtigungen etc. Viele suchttraumatisierte Kinder werden fehldiagnostiziert und fehlbehandelt, z.B. als ADHS-Störung. Außerdem haben Kinder, die in Suchtfamilien aufwachsen, ein vielfach erhöhtes Risiko, später als Erwachsene selber ein Co-Abhängigkeitssyndrom, eine Suchterkrankung oder andere psychische Störungen zu entwickeln.

 

 

Ursachen der Co-Abhängigkeit

Co-Abhängigkeit ist ein komplexes Phänomen und die Genese ist ebenfalls nur multifaktoriell zu verstehen. Folgende Bedingungen können einer Co-Abhängigkeit zugrunde liegen:

·           Stressthese: Das Zusammenleben mit einem suchtkranken Menschen ist eine enorme Belastung. Dieser Stress kann unspezifisch eine psychosoziale Fehlentwicklung bedingen, z.B. Depressionen, Ängste, Anpassungsstörungen oder psychosomatische Störungen, oder spezifisch eine co-abhängige Störung auslösen.

·           Gender: Mehrheitlich sind Frauen von Co-Abhängigkeit betroffen. Die gesellschaftliche Rolle der Frau, die eher durch Mitgefühl und Fürsorge gekennzeichnet ist, scheint eine Disposition für die co-abhängige Hilfe und Selbstaufgabe zu sein.

·           Suchtfamilie: Suchtkranke Eltern sind ein Risikofaktor, später mit einem suchtkranken Partner in der co-abhängigen Rolle zu verbleiben. Dies trifft nur auf Mädchen, nicht jedoch auf Jungen zu. Jungen sind eher gefährdet, später suchtkrank zu werden.

·           Persönlichkeitsdisposition: Personen mit hohen sozialen Ansprüchen und Idealen in Kombination mit einer starken persönlichen Unsicherheit bzw. einer Störung des Selbstwertgefühls scheinen besonders für Co-Abhängigkeit anfällig zu sein. Die tägliche Bestätigung, moralisch besser als der Suchtkranke zu sein und vom Suchtkranken gebraucht zu werden, kompensiert das schwache Selbstvertrauen. Diese co-abhängige Ersatzbefriedigung ist analog dem süchtigen Kick oder Rausch zu werten.

·           Beliebigkeit der abhängigen Rollenverteilung: Co-abhängig verstrickte Menschen sind ebenso gefährdet, eine Sucht zu entwickeln, wie auch ehemalige Suchtkranke ein Risiko haben, die Sucht co-abhängig zu verlagern.

 

 

Die institutionelle Co-Abhängigkeit

Sucht ist immer ein soziales System. Auch ganze Familien, Gruppen, Systeme, Organisationen und Institutionen können sich co-abhängig verstricken und strukturieren. In einer Arbeitsgruppe z.B., die lange Jahre einen Süchtigen unter sich duldet, dies nicht oder nur unzureichend zum Thema macht und die eingeschränkte Arbeitsleistung des Süchtigen vertuscht und ausgleicht, sind nicht nur die einzelnen Mitarbeiter persönlich mehr oder weniger verstrickt, vielmehr können sich co-abhängige Strukturen bilden. Kommunikation, Zusammenarbeit und Abläufe sind durch die Sucht, deren Tabuisierung und Verleugnung und die co-abhängige Verstrickung geprägt und eingeschränkt. Selbst nach Entfernen des süchtigen Symptomträgers bestehen die co-abhängigen Strukturen fort und wirken sich weiter negativ auf Arbeitsklima und -leistung aus. Gewöhnlich wird ein neuer Symptomträger eingesetzt. Dieser kann ebenfalls süchtig sein oder aber auch an einer anderen psychosozialen Problematik, z.B. Depression, leiden.

 


Der Artikel stammt von Jens Flassbeck. Die Quelle und Literaturangaben für diesen Artikel finden Sie hier Stand 26.01.2014

 


Der Selbsttest von Jens Flassbeck.

 

Einen weiteren Selbsttest bietet auch das Blaue Kreuz.