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Über das Verstehen und Missverstehen…

Sprechen wir eigentlich dieselbe Sprache wie unser Gesprächspartner…?

Ich glaube, nein…!

Wir mögen vielleicht die gleichen Worte benutzen. Sie hören sich zumindest erst einmal ähnlich, ja nahezu identisch, an. Aber versteht der andere den Sinn dieser Worte auch genauso wie wir selbst?

Sind wir uns eigentlich darüber im Klaren, dass das, was wir sagen, noch lange nicht genau so gehört und gar verstanden wird, wie wir es meinen?
Und wissen wir, dass wir das, was der andere sagt, möglicherweise ganz anders verstehen, als er es tatsächlich meint?'

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in unterschiedlichen „Sprachen“ miteinander sprechen – obwohl wir alle erst einmal auf Deutsch miteinander reden. Und doch hat jeder Mensch seine ganz eigene Art und Weise seiner Sprache und Ausdrucksweise, hat ein eigenes ganz persönliches Sprachverständnis.

Ich nenne das die „eigene Familiensprache“, in der viel mehr steckt, als nur Worte. Jede Familie hat ihre eigene und ganz spezielle Form der Kommunikation, die sich nicht nur auf die ausgesprochene Sprache beschränkt, denn vor allem fließen neben vielen anderen Faktoren auch besondere Wortwahlen und familiäre Werte und Normen unbewusst mit ein.

Als Kinder unserer Eltern wissen wir ganz genau, was unsere Eltern meinen, wenn sie etwas sagen oder auch nur andeuten. Denn wir sind in genau dieser besonderen Familiensprache aufgewachsen, es ist unsere „wahre Muttersprache“. Unsere Schwiegereltern zu verstehen, fällt uns da oft schon schwerer. Und doch verstehen wir diese „Fremdsprache“ durch die verbalen Auseinandersetzungen mit unserem oft langjährigen Partner irgendwie auch schon recht gut. Dennoch oft hören wir etwas vollkommen anderes, als sie tatsächlich zu uns sagen und es entstehen Missverständnisse, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Schlimmstenfalls reden wir vollkommen aneinander vorbei und fühlen uns hinterher beide (!) völlig missverstanden, verstehen nicht, was gerade geschehen ist.

Wie viele Auseinandersetzungen um ein und dieselbe Sache hat es mit unserem Partner oft gedauert, bis wir auf einen gemeinsamen Nenner kamen? Wie viele Missverständnisse, Diskussionen und gar Streits später haben wir dann schließlich erkannt, dass der andere das selbe meinte, wie wir selbst, obwohl er es doch „vollkommen anders“ gesagt hat?
Obwohl wir die ganze Zeit in unserer Landessprache miteinander geredet, gesprochen, diskutiert, gestritten, gar gebrüllt und geschrien haben, haben wir doch nicht verstanden, was der andere meinte und fühlten uns selbst vom anderen ebenfalls vollkommen unverstanden.

Wir waren frustriert und sauer, weil wir erwartet haben, dass der andere uns versteht, haben den anderen sogar dafür verurteilt, dass er unsere Worte nicht versteht, die wir doch schließlich klar und deutlich ausgesprochen hatten.

Warum nur versteht der andere uns einfach nicht?

Warum nur verstehen wir den anderen einfach nicht?

…weil wir unterschiedliche Sprachen sprechen. Und auch nach Jahren haben wir oft noch nicht gelernt, wirklich miteinander zu kommunizieren.

Es dauert eine ganze Weile, bis sich aus beiden „Muttersprachen“ mehr oder weniger erfolgreich eine Mischform, ja eine neue und gemeinsame Sprache, entwickelt – oftmals unser gesamtes Leben, denn jeder hört immer als allererstes mit den Ohren seiner „Muttersprache“.

Ein wahrhaft unerschöpfliches Potential für das Entstehen von Missverständnissen.

Irgendwann erreichte ich einen Punkt, an dem ich mich fragte, ob das normal sein kann.
Lassen wir die philosophische Frage nach dem „Was ist eigentlich normal?“ einmal außen vor, die ich zu einer anderen Zeit gern wieder aufgreifen werde.

Viele Kommunikationswissenschaftler haben sich bereits mit unseren sprachlich-ursächlichen Konflikten beschäftigt.  Viele Bücher von ihnen habe ich gelesen, an einigen Kommunikationsschulungen und -lehrgängen teilgenommen, mich mit mehreren Kommunikationsmodellen auseinander gesetzt.

Natürlich sind das Lesen von Büchern und die Teilnahme an ein paar Fortbildungen nicht ausreichend, um das Gelesene und Gelernte vollumfänglich anzuwenden und umzusetzen. Und doch verändert es mich und meinen Sprachgebrauch mit der Zeit, vor allem aber mein Verständnis für mich und den jeweils anderen in einem Konflikt. Ich lerne nachzufragen, zu hinterfragen, in Frage zu stellen und vor allem genauer zu erklären, was ich wirklich meine.

Am brennendsten beschäftigt mich die Frage, warum so viele Menschen die Verantwortung erst einmal bei dem jeweils anderen zu suchen scheinen. Zugegebenermaßen könnte das eine pauschalisierte Aussage sein – und doch ist es das, was mir immer wieder begegnet: „Du hast aber gesagt, dass….!“ Und der ursprünglich Aussagende gerät automatisch in die „gefühlte Falle“ und rechtfertigt sich für das, was er vermeintlich gesagt hat. Was aber hat er wirklich gesagt, das der Hörende nicht gehört hat? Was hat er gemeint, das der Hörende offensichtlich nicht verstehen konnte?

Wir Menschen nehmen augenblicklich wahr, wenn in einem Gespräch etwas nicht mehr „läuft“ --- aus welchem Grund fragt der Hörende in einem sich anbahnenden Missverständnis also nicht "einfach" nach, was genau der Sagende mit seinen gesprochenen Worten gemeint hat? Warum wiederholt der Hörende nicht „einfach“, was er gehört hat, um das entstehende Missverständnis aufzuklären?

Wenn beide Bereitschaft zeigten, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und beispielsweise den Fokus vom anderen auf sich selbst zu richten, könnten sie viel über sich selbst und ihre eigene Sprache lernen, um in der Folge viel entspannter und konfliktfreier zu leben.

Ein großer Aspekt unserer Kommunikation ist natürlich die nonverbale, also nicht-ausgesprochene, Kommunikation, die mit über 80 % den Löwenanteil unserer gesamten Kommunikation ausmacht. Hier möchte ich jedoch einzig auf unsere Wortwahl und verbale Ausdrucksweise aufmerksam machen.

In meiner Bücherliste habe ich u. a. einige meiner Lieblingsbücher aus dem Bereich der Kommunikation aufgelistet.

Vielleicht spüren Sie ja Interesse nach „mehr“ über den Sinn Ihrer Sprache in Ihnen, ich wünsche Ihnen schönes Schmökern und spannende Entdeckungen in Ihrem Sprachgebrauch.

Sandra Mehrtens